12.08.2010

Buchbesprechung - für Sie gelesen:

Praxishandbuch Speicherlösungen[mehr]

Rubrik: Schwefer

Gebt mir die Bahn zuirück

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Kontinuität und Verlässlichkeit sind so etwas Wunderbares.

Jeden Tag geht des Morgens die  Sonne auf, um die Vorherrschaft am Abend dem Mond zu überlassen.

Auf jeden Winter folgt ein viel herbeigesehnter Frühling, der dann der Warmregenperiode, die wir Sommer nennen, Platz macht.

Die Sendung mit der Maus erfreut uns schon seit 30 Jahren am Sonntäglichen Mittag, ohne uns merken zu lassen, daß wir längst nicht mehr Zielgruppe sind. Und die Holländer werden nie Weltmeister.

Aber was machen Sie?

Sie tun alles, um uns „unsere“ Bahn zu nehmen.

Pünktliche Abfahrten wären ja noch hinzunehmen, aber muss es denn wirklich sein, daß dann auch noch der Fahrplan eingehalten wird?

Und dann dieses unerträglich freundliche Zugpersonal. Ewig verständnisvoll, geduldig, wenn man mal wieder minutenlang im Überseekoffer voll ungewaschener Wäsche nach dem Fahrschein kramt.

Getoppt wird das nur durch die Vollversorgung an Bord: ein Restaurant, das komplette Menüs und Frühstück – samt Kaffee – feilbietet, Zugbegleiter, die Zeitungen und kleine Knabbereien reichen, Faltblätter mit vollständigen Informationen über sämtliche Zielbahnhöfe und die dort vorgesehenen – und sicher pünktlichen – Anschlussverbindungen.

Dazu funktionierende Heizungen, Klimaanlagen und saubere Abteile.

Das ist einfach zu viel für mich. Ich finde, für mein Geld könnte ich etwas mehr Unterhaltung erwarten. Wäre es nicht möglich, wenigstens ein bisschen wieder die alte Bahn zu werden?

Ich höre schon meine Kinder die Arie von „klar Papa, früher war alles besser“ singen, aber in diesem Fall müssen sie mir einfach recht geben, die kleinen Racker.

Schließlich üben auch sie Verzicht, habe ich doch in der guten alten Zeit jede Gelegenheit genutzt, teils unter abenteuerlichsten Umständen aus dem Zug zu berichten. Kleine Glossen und große Dramen von unterwegs wussten das Herz meiner Leserschaft zu rühren.

Und nun? Soll ich mich blumig in der Verbrämung von Abfahrts- und Ankunftszeiten ergehen, statt von brennende Bordküchen oder dehydrierte Mitreisende zu erzählen?

Gibt es denn keine Möglichkeit, das Rad der Geschichte hier ein wenig zurück zu drehen?

Ich bin mir sicher, nicht der einzige Bahnkunde zu sein, dem es so geht. Vielleicht könnte man ja ein Geschäftsmodell daraus machen. Ich würde Ihnen bei der Realisierung auch gern beratend zur Seite stehen und habe auch schon einige Ideen ausgearbeitet.

Sie bieten die liebgewordenen Unannehmlichkeiten zusätzlich zu den „Classic“-Fahrkarten an. Das Ganze könnte z.B. als „Drive´n-Fun-Survival-Option“ daherkommen.

Das Basispaket sollte mindestens folgende Punkte enthalten:

- zehnminütiges  Warten auf funzelig ausgeleuchtetem Bahnsteig

- eine Minute vor Abfahrt die Durchsage, daß der Zug soeben am anderen Ende des Bahnhofs einläuft

- Defekt sämtlicher Rolltreppen in Richtung Bahnsteig

- fehlender Kaffee im Bordrestaurant

- mindestens eine „Personen-im-Gleis-Meldung“, die eine nicht wieder einholbare Verspätung einbringt

- Zielbahnhof mit Großbaustelle

Für den anspruchsvollen Reisenden könnte man in verschiedenen Kategorien noch weitere Zusatzpakete als Herausforderung anbieten:

1.       Location-Challenge

Die Bettler und Junkies, die sich an den Eingängen herumtreiben, sind bewaffnet (aufpreispflichtig)

Alle Überwachungskameras sind offensichtlich defekt und sämtliche Polizisten halten bei McDonalds eine Gewerkschaftsversammlung ab

Der Bahnsteig ist zusätzlich vereist, nicht überdacht und hat 15% Gefälle zu den Gleisen.

Der Service-Point ist nur mit einem Quoten- AZUBI besetzt, der außer einem wenig verbreiteten Mandarin-Dialekt nur einige Brocken Deutsch beherrscht.               

2.       Travel-Challenge

Alle reservierten Plätze sind dreifach überbucht, Klimaanlage im Sommer und Heizung im Winter funktionieren prinzipiell nicht, Fenster lassen sich nicht öffnen, ein Abteilwagen hat defekte Türen und kann daher nicht genutzt werden.

Für Hardcore-Nostalgiker könnte ein MITROPA-Wagen mit Original Personal aus den 70ern angehängt werden. Jede brettharte Frikadelle mit Bautzener Senf und Uralt Toastecken müsste unter Einsatz harter Devisen im Kampf gegen muffigen Ossi-Serviererinnen in abgewetzter Einheitstracht mühsam erstritten werden. Der echte Bohnenkaffee aus der Thermoskanne wäre lauwarm und bestenfalls zum Abbeizen von Möbeln geeignet.

Nun wäre auch eine Beschwerdestelle tatsächlich wieder sinnvoll. Dort könnten langzeitarbeitslose Alkoholiker dem leidgeprüften Reisenden mit stoischer Ungerührtheit den Rest geben.

Endlich würde man sich wieder heimisch fühlen, statt tagtäglich vom Abklatsch der amerikanischen „you-are-welcome“-Wattebauschwelt eingelullt zu werden.

Zusätzliche Anreize für Vielfahrer können durch ein „Leid & More“ –Punktesystem gegeben werden. Die Besten eines Kalenderjahres träten in einem „Tunnelcamp“ in verschiedenen Disziplinen wie Trackhopping oder Draisinenrennen auf vielbefahrener Strecke gegeneinander an.

Der Sieger erhielte eine Bahncard 100 ausgestattet mit allen Challenge-Optionen.

Einmal etabliert kann man das Angebot abrunden mit Apps für die gängigen Smartphones, einer Internet-Plattform für den Erfahrungsaustausch, sowie einem neuen Online-Spiel, das gewiss weltweit für Furore sorgen wird und den Namen „Tracks of Tears“ trägt.

Dies sind nur erste Rohentwürfe für ein sicherlich einträgliches Geschäftsmodell. Sollte Ihrerseits Interesse an meiner Mitarbeit bei der Umsetzung bestehen, wäre ich wie gesagt gern bereit meine Bahnfahrer-Skills gegen ein entsprechendes Honorar in den Dienst von Mensch und Bahn zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

 

ADAC Senioren_Werbung

Am 21.6.2011 erhielt ich ein Schreiben des GND (Generationen Netzwerk für Deutschland).

Textauszug:

als ADAC Mitglied wissen Sie, wie wichtig Mobilität ist. Dies gilt nicht nur für den Straßenverkehr, sondern für nahezu alle Lebensbereiche. Wer körperlich und gesitig miobil ist, kann etwas bewegen. ...vertritt die Interessen der Menschen ab 50.Durch sein breites Leistungsangebot macht er das Leben ein Stück einfacher, schöner und sicherer.

So, ich war also offensichtlich Teil der Zielgruppe. Ich wandte mich also an den ADAC, um mehr zu erfahren:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

als Mitglied der Generation 50+ möchte ich mich herzlich – auch im

Namen meiner Mitinsassen im Seniorenstift „Osnabrück-Kalkhügel“ –

für die zugesandten Informationen bedanken.

Unser freundlicher Zivi hat sie uns nach der täglichen Bingo-Runde im Kurgarten vorgelesen. Einige sind zwar dabei eingeschlafen, hatten sie doch ihre Hörhilfen inzwischen abgeschaltet.

Aber ich habe aufgepasst. Sie bieten also ein Netzwerk an. Für Senioren. Wie mich. Toll.

Aber ich fische doch gar nicht.

Wenn sie mir hingegen mit einem neuen Satz Reifen für meinen Rollator (Michelin Senior City  25 M+S)  weiterhelfen könnten, wäre ich Ihnen tatsächlich sehr verbunden.

Sie sind doch schließlich der Allgemeine Deutsche Automobilclub e.V.?

Mit einer Neubereifung meiner Gehhilfe würden Sie mir wirklich einen großen Dienst erweisen und sehr zu meiner Mobilität beitragen.

Wenigstens die Adresse einer Werkstatt, in die Kevin (mein Zivi) die Gehhilfe zur großen Durchsicht bringen könnte, müsste doch eigentlich drin sein, oder?

Viellicht würde das ja auch ein gelber Engel in der Hofeinfahrt der Seniorenresidenz machen.

Oder braucht mein Rentnerferrari dafür ein Nummernschild? Und wenn ja, reicht ein kleines?

Und wenn Sie all das negativ beantworten sollten,  warum bin ich dann denn überhaupt noch Mitglied beim ADAC?

In meinem Alter (immerhin 50).

Sollte ich da nicht besser zum Geriatrischen Naturbund Deutschland (oder wofür stand GND noch gleich?)

wechseln? Und mit denen fischen gehen, wie Sie vorschlugen?

 

Hochachtungsvoll